Alarmstufe Versorgungslücke ME/CFS und Long COVID: Betroffene kämpfen um Hilfe

Gesundheitspolitik Autor: Isabel Aulehla

ME/CFS und Long COVID: Fehlende Anlaufstellen, lange Diagnosen und fehlende Therapiemöglichkeiten verschärfen die Versorgungslücke für Betroffene. ME/CFS und Long COVID: Fehlende Anlaufstellen, lange Diagnosen und fehlende Therapiemöglichkeiten verschärfen die Versorgungslücke für Betroffene. © Georgii - stock.adobe.com

Chronische Erschöpfung nach ME/CFS und Long COVID wird oft als psychisch abgetan. Expert:innen mahnen: Die Versorgung ist lückenhaft, Diagnosewege sind lang – spezialisierte Angebote und mehr Sensibilität werden dringend gefordert.

Chronische Erschöpfungssymptome infolge viraler Erkrankungen werden oft immer noch zu leichtfertig als rein psychisch abgetan. Die Betroffenen fordern spezialisierte Behandlungsangebote. 

Die Versorgung sei „alarmierend schlecht“, die Wege zur Diagnose „extrem lang“. So fasste Sebastian Musch von der Deutschen Gesellschaft für ME/CFS die Situation von Menschen mit postviralen Erkrankungen wie ME/CFS oder Long COVID in einem Fachgespräch des Gesundheitsausschusses zusammen. Er sprach von „jahrzehntelanger Vernachlässigung“. Die meisten Ärztinnen und Ärzte wüssten nicht, wie sie mit den Krankheitsbildern umgehen sollen. Bestenfalls würden die Symptome behandelt. 

Medikamente, die ursächlich wirken, gebe es derzeit nicht, bestätigte Prof. Dr. Carmen Scheibenbogen, Leiterin des Arbeitsbereichs Immundefekte und Postinfektiöse Erkrankungen der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Die vielversprechendsten Ergebnisse zeige derzeit die Entfernung von Autoantikörpern über Immunadsorption – eine heilende Therapie sei dies aber nicht. Die Expertin teilt die Meinung, dass die Sensibilität für die Krankheitsbilder größer sein dürfte. Oft werde nicht anerkannt, dass es sich um schwere chronische Erkrankungen handele, die nicht durch Psychotherapie und psychosomatische Rehabilitation behandelbar sind.

In der Versorgungslandschaft spiegelt sich dies wider: Die Betroffenen würden kaum spezialisierte Anlaufstellen finden, kritisiert Simon Schöning von Long COVID Deutschland, einem privaten Zusammenschluss von Long-COVID-Betroffenen und ihren Angehörigen. Er forderte deswegen Kompetenzzentren, Schwerpunktpraxen und standardisierte Behandlungsprogramme. Außerdem müsse es leichter werden, Hilfsmittel oder Assistenz zu erhalten. Auch die Anerkennung von Pflegebedürftigkeit oder Schwerbehinderung sei momentan oft erst durch Widerspruch oder Klage zu erreichen.